Pädagogisches Konzept

Pädagogisches Konzept pdf

 

Version: 01/17

Autor: Michèle Kocher

Ort, Datum: Grossaffoltern, 13.07.2017

 

 

„Es ist nicht wichtig was du betrachtest, sondern was du siehst!“

(Henry David Thoreau)

1. Vorwort und Zielgruppe

Die Kita wird vom Verein KiTa Storchennest Grossaffoltern betrieben. Sie ist politisch sowie religiös neutral und bietet subventionierte und private Plätze an. Es besteht ein Leistungsvertrag mit der Gemeinde Grossaffoltern.

Das vorliegende Konzept dient allen Mitarbeitenden als Arbeitsgrundlage und bietet die Möglichkeit, dass sich Eltern, Behörden und übrige Interessierte über unsere Arbeit informieren können. Es zeigt auf, welche Werte in der Kita gelebt und vermittelt werden.

2. Sinn und Zweck der KiTa Storchennest

Der Verein KiTa Storchennest bietet eine professionelle Tagesbetreuung für Kinder im Alter von 3 Monaten bis zum Schuleintritt an. Die ausserfamiliäre Tagesbetreuung in der Kita steht allen Kindern offen. Ein Grund, weshalb das Kind in der Kindertagesstätte betreut werden soll, muss nicht genannt werden. Kinder mit Wohnsitz in der Gemeinde Grossaffoltern haben Vorrang beim Auswahlverfahren.

Die institutionellen Rahmenbedingungen sind im Betriebskonzept festgehalten.

3. Leitgedanken

Unsere tägliche Arbeit wird von folgenden Grundsätzen abgeleitet:

  • Wir akzeptieren jedes Kind mit all seinen Stärken und Schwächen und haben es gerne.
  • Wir respektieren das Kind als Mensch, so wie wir selber respektiert werden wollen.
  • Wir hören den Kindern zu und lassen sie ausreden.
  • Wir unterstützen die Kinder in ihrem selbständigen Tun, indem wir sie altersentsprechend fördern und fordern.
  • Wir wenden weder physische noch psychische Gewalt an.
  • Jedes Kind ist wertvoll und verdient unser Vertrauen und unsere Aufmerksamkeit.
  • Wir beziehen die Kinder und ihre Lösungsvorschläge in die Ausarbeitung von Regeln und Grenzen ein.

4. Pädagogische Haltung

4.1 Menschenbild

Wir sehen alle Kinder als eigenständige Menschen und Persönlichkeiten, welche ein Recht auf Liebe und Akzeptanz haben. Kinder sind von Natur aus neugierig und entdeckungsfreudig, wollen eigenständig Neues lernen. Dabei zeigen sie eine unermüdliche und ausdauernde Geduld beim Einüben von neuen Fertigkeiten.

Sie benötigen ihrem Alter entsprechend Schutz vor Gefahren und Reizüberflutung und brauchen unsere Unterstützung bei der Verarbeitung von Erlebnissen und Erfahrungen.

4.2 Haltung der Fachpersonen

Den Kindern begegnen wir offen und herzlich, vermitteln ihnen aber auch Strukturen, Halt und Grenzen. Wir versuchen sowohl die Bedürfnisse des einzelnen Kindes zu erkennen, als auch soziale, tragfähige Strukturen in der Gruppe aufzubauen. Dabei lehren und unterstützen wir die Kinder, andere Personen zu respektieren, Konflikte gewaltfrei zu lösen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst und reflektieren unser Verhalten regelmässig.

5. Pädagogische Schwerpunkte

5.1 Wertschätzung

Unsere Arbeit beruht auf einer achtsamen und wertschätzenden Grundhaltung dem Kind gegenüber. Wir sehen in jedem Kind seine Einzigartigkeit und begleiten es wohlwollend und behutsam durch den Tag. Unser Blick fokussiert sich auf die Stärken der Kinder, die wir gezielt weiter fördern.

5.2 Bildungsprojekte

In unsere Arbeit sind mehrmonatige Bildungsprojekte eingeplant, worin die Kinder ein Thema mit allen Sinnen erleben können. Während täglich stattfindenden, geführten Sequenzen dürfen sie matschen, turnen, singen, werken, malen, kochen, backen und vieles mehr. Angeleitet von Handpuppen werden die Kinder in ihrer Fantasie angesprochen und bei der emotionalen Entwicklung unterstützt.

5.3 Selbständigkeit

Wir unterstützen die Kinder auf ihrem Weg zu neuen Fähigkeiten und bestärken sie in ihrem Tun. Zudem fordern und fördern wir sie in Neuem, indem die Kinder altersentsprechend angeleitet und motiviert werden, Dinge selbständig oder nur mit leichten Hilfestellungen zu tun.

5.4 Freispiel

Das Freispiel nimmt bei uns eine zentrale Rolle ein, da es unabdingbar für die Entwicklung ist. Für das Kind ist es nicht Spielen, sondern Lernen. Im Spiel verarbeitet ein Kind Eindrücke und Erfahrungen. Spiel ist jedoch nicht nur verarbeitend, sondern auch schöpferisch. Ein Kind probiert aus, was es in seinem Umfeld wahrgenommen hat. Es durchdenkt Erlebtes und testet dies in immer neuen Zusammenhängen und Möglichkeiten. So gesehen ist Spiel die Arbeit des Kindes und beinhaltet Realitätsbewältigung[1]. Die Kinder dürfen selbständig entscheiden was, wo, wie lange und mit wem sie spielen wollen. In dieser Zeit werden die Kinder von unseren Fachpersonen intensiv beobachtet. So wird erkannt, in welcher Entwicklungsphase die Kinder sich befinden und welche Interessen oder Schwierigkeiten die Gruppe beschäftigen. Aus diesen Erkenntnissen werden die Bildungsprojekte abgeleitet (vgl. Ziff. 5.2).

5.5 Bewegung und Erholung

Aktuelle Erkenntnisse der Gehirn- und Lernforschung belegen, dass Kinder durch Bewegung und der Verwendung ihrer Sinne die Welt erforschen und erlernen. Daher beinhaltet unsere Alltagsplanung immer einen Grossteil an Bewegungselementen, wo die Kinder ihrem Aktivitätsdrang frönen können. Um auch dem Ruhebedürfnis gerecht zu werden, rhythmisieren wir unseren Tagesablauf nach den Bedürfnissen der Kinder.

5.6 Inklusion

Alle Kinder sind bei uns willkommen! Getreu unserem obersten Leitsatz sehen wir in jedem Kind seine Besonderheit, akzeptieren es mit all seinen Stärken und Schwächen und haben es gerne.

Kinder sind neugierig und gehen unbefangen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung um. Indem wir auch Kindern mit besonderen Bedürfnissen einen Platz in unserer Mitte geben, können alle voneinander lernen und profitieren. Um allen Beteiligten gerecht zu werden, arbeiten wir eng mit den involvierten Therapeuten zusammen.

5.7 Eingewöhnung

Ein neu eintretendes Kind wird mit vielen Einflüssen konfrontiert. Die Ablösung von den Eltern, unbekannte Personen (Betreuerinnen), neue Räume, andere Kinder, veränderter Tagesablauf – eine grosse Herausforderung für ein Kind. Um ihm diesen Schritt etwas zu erleichtern und für die Zukunft eine gute, vertrauensvolle Basis zu schaffen, ist uns die Eingewöhnungszeit sehr wichtig. Ein offener Austausch zwischen den Eltern und der Bezugsperson vermeidet Konflikte und gibt dem Kind Sicherheit. Die Eingewöhnungszeit ist nicht nur für die Kinder, sondern auch für Eltern enorm wichtig. In dieser Periode bekommen sie einen Einblick in den Kitaalltag und bauen ein Vertrauensverhältnis zu den Betreuerinnen auf. Die Eingewöhnungszeit dauert in der Regel drei Wochen.

Wir orientieren uns am Verhalten des Kindes und entscheiden gemeinsam mit den Eltern ob die Eingewöhnungszeit abgeschlossen werden kann.

5.8 Tagesablauf und Rituale

Ein klarer Tagesablauf mit wenigen Unterbrüchen, klaren Regeln und Grenzen gibt Sicherheit. Täglich wiederkehrende Rituale erleichtern die Orientierung im Lauf des Tages. Eine eigens hergestellte Uhr zeigt den Kindern den Tagesablauf an.

5.9 Mahlzeiten

Gesunde und ausgewogene Ernährung ist uns sehr wichtig. Wir achten auf Nachhaltigkeit und verwenden hauptsächlich regionale und saisonale Produkte. Der ländliche Standort unserer Kita gibt uns die Möglichkeit, den Kindern direkt auf den Feldern zu erklären, woher ihr tägliches Essen stammt. Des Weiteren bauen wir mit ihnen Salat und Gemüse im eigenen Garten an.

In unserer grossen Wohnküche werden die Mahlzeiten gemeinsam mit den Kindern täglich frisch zubereitet und eingenommen. Kein Kind wird zum Essen gezwungen, sondern beim Nachahmen der Anderen und der Bezugspersonen dazu angeregt, Neues zu probieren.

5.10 Räumlichkeiten

Bewusst richten wir die Räume möglichst sparsam ein. Mit Tüchern, Kissen, Seilen, Kartonrollen etc. können sich die Kinder ihre Räume selber gestalten. Wir nutzen jeden Platz als Spielraum, was der Fantasie bewusst keine Grenzen setzen soll. Dies lässt die Garderobe auch mal zu einer Baustelle werden, die Esstische zu Raubtierkäfigen umfunktionieren und vieles mehr.

5.11 Naturräume

Die Natur besitzt in unserem Alltag einen sehr hohen Stellenwert. Täglich und bei jeder Witterung gehen wir mit den Kindern in den Garten, Wald oder zum angrenzenden Bauernhof. Ein zweimonatiges Waldprojekt, während dem wir uns täglich an unserem Waldplatz aufhalten, ist fester Bestandteil von unserem Konzept und findet jährlich einmal statt.

5.12 Kitalager

Mit den älteren Kindern der Kita organisieren wir jährlich ein dreitägiges Lager. In dieser Zeit verändert sich die Gruppendynamik und die Kinder werden in ihrer Entwicklung und Selbständigkeit weiter unterstützt. Nur kurze Unterbrüche des gewohnten Tagesablaufs intensivieren das gemeinsame Spiel, wobei die Kinder ihren Zusammenhalt weiter stärken können. Mit einer gesunden Portion neu gewonnenem Selbstvertrauen und wohlwissend, mehrere Tage ohne Eltern verbringen zu können, kehren die Kinder am dritten Lagertag voller Stolz zu ihren Familien zurück.

5.13 Elternarbeit

Die Eltern sind die Profis, wenn es um ihre Kinder geht. Daher ist eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der Kita und den Eltern notwendig. Den Tür- und Angelgesprächen wird dabei eine besondere Beachtung geschenkt. Wir führen verschiedene Tagebücher, um Besonderheiten der Kinder zu erfassen und teilen Beobachtungen am Abend den Eltern mit. Zusätzlich findet jährlich ein Austauschgespräch mit den Eltern statt, welches bei Bedarf, jederzeit und von beiden Seiten gewünscht werden kann. Um den Austausch unter den Eltern zu fördern, organisieren wir regelmässig Elternanlässe.

5.14 Teamarbeit

Ein konstantes Team ermöglich den Kindern eine langfristige, vertrauensvolle Bindung aufzubauen. Damit diese Konstanz gewährt bleibt, nimmt die Teamarbeit einen grossen Stellenwert ein. Monatliche Gesamtteamsitzungen, jährliche Team-weiterbildungen sowie ein Teamtag fördern Vertrauen und festigen den Zusammenhalt. Neue Teammitglieder werden sorgfältig ausgewählt und eingearbeitet. Konflikte werden zeitnah angesprochen, ein offener und ehrlicher Umgang miteinander vorausgesetzt.

Die nachfolgenden Führungsgrundsätze werden auf allen Stufen angewandt.

 

Vorbild:

Die Betriebsleitung lebt vor, was von den Mitarbeitenden verlangt wird und nimmt so ihre Vorbildfunktion wahr.

Kommunikation:

Es herrscht eine offene, ehrliche und zeitnahe Kommunikation.

Indem Anliegen offen, ehrlich und zeitnah angesprochen werden, wird das Vertrauen gefördert und Unstimmigkeiten vorgebeugt.

Respekt:

Alle Mitarbeitenden und ihre Anliegen werden ernst genommen. Die Betriebsleitung begegnet jedem mit Wertschätzung und Respekt.

Eigenverantwortung:

Alle Mitarbeitenden schöpfen ihren Kompetenzrahmen selbständig aus und holen sich die nötigen Informationen selbständig.

Einbezug:

Mitarbeitende werden stufengerecht und offen informiert. Nach Möglichkeit werden sie in die Entscheidungsfindung einbezogen.

Schutz:

Die Betriebsleitung trägt die Verantwortung für die Arbeitssicherheit, Gesundheit und Unversehrtheit der Mitarbeitenden.

6. Verbindlichkeit

Das Konzept ist für alle Mitarbeitenden verbindlich. Es wird jährlich von der Betriebsleitung überprüft und ggf. angepasst.

 

 

 

[1] Orientierungsrahmen Niedersachsen